Hans Fallada, der schon früh als Pechvogel bekannt wurde, der mit vielen Krankheiten, Selbstmordversuchen, Gefängnisaufenthalten und Süchten zu kämpfen hatte, schrieb in seinen elf Mecklenburger Jahren immerhin achtzehn Romane. Die Flucht aus Berlin auf ein kleines bäuerliches Anwesen in Carwitz bei Feldberg in Mecklenburg sollte für den gebürtigen Greifswalder die Rettung sein.
Die Sehnsucht nach Stadtflucht und Natur-Unterworfenheit findet sich in allen seiner literarischen Werke. Tief in seinem Innern wusste jedoch Rudolf Ditzen, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, dass dies eher eine Illusion für ihn bedeutete: “Ich ahne ja schon, auch dieser Friede ist nur ein Schwindel. In den so malerisch ins Grüne geduckten Häusern des lieblichen Dörfleins dort werden Klatschsucht, Neid, Angeberei zu Hause sein, wie in jeder großstädtischen Mietskaserne”, lässt der 1893 geborene Autor den aufs Land geflüchtete Städter von Studmann in dem Roman “Wolf unter Wölfen” sagen.
Wer kennt nicht die Bücher “Kleiner Mann – was nun”, “Wer einmal aus dem Blechnapf frisst” oder “Der Eiserne Gustav”. Schon Kurt Tucholsky rühmte “die Echtheit des Jargons” und der Leser kann sich in Welten entführen lassen, die er so möglicherweise nicht kennt. Auch heute noch kann man den Spuren Falladas, der 53-jährig in Berlin starb, folgen. Das mecklenburgische Carwitz widmet dem Dichter in seinem umfassend sanierten Wohnhaus ein kleines Museum. In der Einsamkeit der Feldberger Seenlandschaft kann man Hans Fallada, seinem Leben und Wirken begegnen, im Archiv stöbern, mit Literaturfreunden und Einheimischen in Kontakt kommen. Besonders empfehlenswert sind die Hans-Fallada-Tage, die jährlich an den Tagen um seinen Geburtstag (21. Juli) stattfinden. Hier treffen sich Fallada-Freunde aus aller Welt, die zeigen wollen, dass – ob Städter oder Landmensch – nicht alle so schlechte Charaktere sind, wie Fallada sie einst in seinen Büchern detailversessen beschrieb.