Seit 1783 Heiligendamm das erste Seebad auf deutschem Boden war, wirkte es wie ein Magnet auf die Zeitgenossen. Und die ersten Gäste waren nicht eben unbekannt. Bedingt durch seine Entstehungsgeschichte und den exclusiven Hintergrund ließen es sich gerade viele prominente Zeitgenossen nicht nehmen, einen kurzen oder längeren Aufenthalt in Heiligendamm zu verleben. Denn niemand anderes als Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin selbst begab sich seinerzeit in die kühlen Fluten, und an genau jener Stelle ordnete er wenig später die Gründung des ersten deutschen Seebades an. Die Inspiration dazu kam von Englands Küsten. Der Name Heiligendamm leitet sich übrigens aus einer Legende ab, welcher zufolge ein „Damm“ aus Findlingen und Steinen nach einem Gebet der Zisterziensermönche von Doberan aufgetürmt wurde. Er sollte als Schutz vor den erregten Ostseefluten dienen. Seine eigentliche Herkunft ist allerdings das Moränengeröll der Eiszeit – so meinen heute die Gelehrten der exakten Naturwissenschaften.
Von großer Bedeutung war nicht nur die heilende Wirkung des Seewassers. Vor allem auch das natürliche Klima, die reine Luft mit ihrem hohen Feuchtigkeitsanteil, geringe Temperaturschwankungen sowie das umgebende Waldgebiet machten Heiligendamm zu einem herausgehobenen Standort. Als dieses besondere Gut erkannt war, wurden Straßen, Verkehrsverbindungen, Versorgungsbauten und Logierhäuser geschaffen werden, in denen die anreisenden Gäste übernachten konnten. Hier beschritt Heiligendamm einen besonderen Weg. Wie magisch angezogen vom Badeort, verbrachten viele prominente Zeitgenossen, Vertreter des europäischen Hochadels und wohlhabende Familien eine Sommerfrische oder sogar den alljährlichen Urlaubsaufenthalt an diesem Flecken. Ein zwischen 1793 und 1870 geschaffenes Ensemble aus klassizistischen Bauten bot den prachtvollen Hintergrund für das Leben jener Jahre. So zählte neben der Familie des Großherzogs Friedrich Franz die russische Zarenfamilie zu den regelmäßigen Gästen des Seebades Heiligendamm, ebenso wie Königin Luise, Lord Nelson, Blücher, Moltke, oder Wilhelm von Humboldt.