Die Geschichte der Halbinsel Wustrow bei Rerik

Die Landschaften entlang der Ostseeküste waren immer schon nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern aufgrund ihrer exponierten Lage auch ein politisch interessantes Gebiet. Davon zeugen viele historische Spuren, die heute besichtigt werden können. „An ihren Nehrungen, Bodden und Haffs befinden sich daher nicht nur Badehotels und Seebrücken, sondern auch einige geheime Orte, die oft viele Jahrzehnte lang kein Normalsterblicher betreten durfte“ – so heißt es in dem Buch „Die verbotene Halbinsel Wustrow“ von Edelgard und Klaus Feiler.  Hier einige Informationen zu dieser Halbinsel, die zwar nur wenige km von Kühlungsborn entfernt liegt, für Besucher aber lange nicht zu betreten war.

Nachdem das ehemalige Gut für 1,4 Millionen Mark offiziell von der Reichswehr käuflich erworben und im Verlauf der folgenden Zeit zur größten Ausbildungsstelle der deutschen Flakartillerie ausgebaut wurde, bestimmte der militärische Betrieb die Geschicke von Wustrow. Soldaten aus allen Teilen Deutschlands wurden ab April 1934 an den Flak-Geschützen in mehrwöchigen Lehrgängen ausgebildet, und 1937 standen bereits 180 Gebäude auf der Halbinsel.
In Vorbereitung der Kriegshandlungen nahmen 1938 die Lehrabteilungen der Flakartillerieschule am Angriff gegen die Tschechoslowakei teil. In dieser Zeit blieb nur eine zahlenmäßig schwache Besetzung am Haff zurück, die „Haffbatterie“. Ab 1939 wurden die Soldaten teilweise nach Hamburg, Prag oder auch nach Russland an den Don beordert. Die Auswirkungen des 2. Weltkrieges kamen auch nach Rerik: Im Juli 1940 wurde das Ostseebad von alliierten Bombenangriffen getroffen, die jedoch nur geringen Sachschaden anrichteten. Im besonders strengen Winter desselben Jahres war Wustrow aufgrund der Schneefälle zeitweise vom Festland abgeschnitten, und die Lebensmittelversorgung erfolgte durch die Luft. Nur ein einziger großer Bombenangriff traf die Halbinsel während der Kriegsjahre. Dieser Vorfall verursachte schwere Schäden an der baulichen Infrastruktur, und viele Soldaten sowie Zivilangestellten mussten ihr Leben lassen. Dennoch wurde der Ausbildungsbetrieb der Flugabwehr bis 1945 weiter geführt.
In den letzten Kriegstagen wurden die Militäreinheiten zur Verteidigung anderer Kampfgebiete wie Berlin abgezogen, und im April 1945 verließen immer mehr Bewohner und auch Militärangehörige Wustrow auf der Flucht vor der nahenden Roten Armee. Die Flakartillerieschule selbst erlebte Anfang Mai ´45 ihre kampflose Übergabe durch die letzten Offiziere. Bevor die gesamte Halbinsel für die nächsten Jahrzehnte wieder zu einem geheimnisvollen Ort werden sollte, bestanden die ersten Maßnahmen nach Kriegsende in der Demontage noch erhaltener Anlagen.

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